Klassifizierung von Flussmitteln nach IPC J-STD-004: was ROL0, ROL1 und ROM1 bedeuten
In technischen Datenblättern von Röhrenloten, Lotpasten und Flüssigflussmitteln tauchen Kürzel wie ROL0, ROL1 oder ROM1 auf. Es sind die Klassen der Norm IPC J-STD-004, die das Flussmittel mit drei Angaben beschreibt: woraus es besteht, wie aktiv es ist und ob es Halogenide enthält. Dieser Leitfaden erklärt, wie man sie liest und zur Auswahl des Flussmittels nutzt.
Dickmann Srl · aktualisiert am
So liest man ein J-STD-004-Kürzel
Das Kürzel besteht aus drei Teilen. Die ersten beiden Buchstaben geben die Basis des Flussmittels an, der dritte Buchstabe die Aktivitätsstufe, die abschließende Ziffer das Vorhandensein von Halogeniden. ROL0 bedeutet zum Beispiel: Flussmittel auf Kolophoniumbasis (RO), niedrige Aktivität (L), halogenidfrei (0).
| Teil des Kürzels | Werte | Bedeutung |
|---|---|---|
| Basis (erste zwei Buchstaben) | RO | Rosin: natürliches Kolophonium |
| RE | Resin: synthetisches Harz | |
| OR | Organic: organisches Flussmittel, oft wasserlöslich | |
| IN | Inorganic: anorganisches Flussmittel, für Anwendungen außerhalb der Elektronik | |
| Aktivität (dritter Buchstabe) | L | Low: niedrige Aktivität |
| M | Moderate: mittlere Aktivität | |
| H | High: hohe Aktivität | |
| Halogenide (letzte Ziffer) | 0 | Keine Halogenide, unterhalb der Nachweisgrenze der Norm |
| 1 | Halogenide vorhanden |
Die Norm legt auch die Prüfverfahren fest, nach denen die Klasse vergeben wird, darunter Korrosion, Oberflächenisolationswiderstand (SIR) und Halogenidgehalt.
Die häufigsten Klassen in der Elektronik
In der Elektronik werden vor allem Flussmittel mit niedriger Aktivität eingesetzt, weil ihre Rückstände auf der Leiterplatte verbleiben können. Aktivere Flussmittel werden auf schwierigen oder oxidierten Oberflächen benötigt und erfordern in der Regel eine Reinigung. Einige Beispiele aus dem Sortiment der Dickmann-Röhrenlote und der AIM-Lotpasten:
| Klasse | Beschreibung | Beispiele im Sortiment | Reinigung |
|---|---|---|---|
| ROL0 | Kolophonium, niedrige Aktivität, halogenidfrei | Röhrenlote Alfa C, Dixtra No Clean, AIM Glowcore; Lotpaste AIM H10 | In der Regel nicht erforderlich |
| ROL1 | Kolophonium, niedrige Aktivität, halogenidhaltig | — | Je nach Lastenheft prüfen |
| ROM1 | Kolophonium, mittlere Aktivität, halogenidhaltig | Röhrenlot Impetol B | In der Elektronik empfohlen |
| ORH1 | Organisch, hohe Aktivität, halogenidhaltig | — | Zwingend erforderlich |
No-Clean ist keine Klasse
„No-Clean“ ist eine kommerzielle Bezeichnung, keine J-STD-004-Klasse: Sie kennzeichnet ein Flussmittel, dessen Rückstände dafür ausgelegt sind, ohne Reinigung auf der Leiterplatte zu verbleiben. In der Praxis gehören No-Clean-Flussmittel fast immer der Klasse L0 oder L1 an. Wenn die Baugruppe lackiert werden muss, das Aussehen wichtig ist oder das Lastenheft es verlangt, müssen auch No-Clean-Rückstände entfernt werden.
Auch die alten Kürzel R, RMA und RA aus der Militärnorm MIL-F-14256 stimmen nicht genau mit den J-STD-004-Klassen überein: RMA entspricht meist Flussmitteln mit niedriger Aktivität, RA aktiveren Flussmitteln. Für einen verlässlichen Vergleich sollte immer die im technischen Datenblatt angegebene J-STD-004-Klasse herangezogen werden.
So wählen Sie die Klasse
Zu den Flüssig- und Gelflussmitteln des Sortiments siehe die Seite Flüssig- und Gelflussmittel.
- Elektronische Baugruppen ohne Reinigung: rückstandsarme L0-Flussmittel (zum Beispiel ROL0).
- Halogenfreie Lastenhefte: Klassen mit der Ziffer 0 und, falls gefordert, Produkte, die nach der vom Kunden angegebenen Norm als halogenfrei deklariert sind.
- Oxidierte Oberflächen, Messing, gealtertes Kupfer: Klassen M oder H, mit Entfernung der Rückstände.
- Wellen- und Selektivlöten: No-Clean-Flüssigflussmittel auf Alkoholbasis oder VOC-frei, passend zur Legierung des Lotbads.